Sternanis ist ein immergrüner, 7 - 10 Meter hoher Baum mit weißer an Birkenstämme erinnernder Rinde und 12 cm langen, lanzettförmigen Blättern. Aus den gelben Blüten bilden sich sternförmige Sammelbalgfrüchte, die außen graubraun und runzelig, innen braunrot, glatt und glänzend sind. Bei der Fruchtreife werden die Samen durch Aufspringen der Früchte sichtbar. Die glänzenden, Kastanienbraunen, sternförmigen Samen werden entweder ganz oder gemahlen angeboten.
Herkunft:
Wächst nur in Südchina.
Verwendung:
Für Schwein, Geflügel (Enten, Gänse), Pfefferkuchengewürz, Pflaumenmus und Alkoholische Getränke.
Gesundheit:
Reizmildernd, Schleimfördernd, das Öl wird in Hustensäften mit verarbeitet.
Geschichte:
Selbst in gutsortierten Gewürzsortimenten sucht man Sternanis oft vergeblich. Denn so dekorativ seine Früchte auch sind - er hat nichts anderes zu bieten als die kleinen, graugrünen Samenkörnchen mit Anisöl. Wesentlicher Bestandteil dieses "ätherischen" (also flüchtigen, nicht fetten) Öls ist Anethol, chemisch ein Phenol, das auch im Fenchelöl vorkommt. Es bestimmt Duft und Geschmack von Sternanis, aber auch des "gewöhnlichen" Anis. Das ist deswegen interessant, weil beide Pflanzenarten überhaupt nicht miteinander verwandt sind. Anis, vermutlich in Vorderasien heimisch und seit Jahrtausenden als Heilmittel und Gewürz bekannt, ist ein einjähriges Kraut aus der Familie der Doldenblütler (wie z.B. Kümmel und Dill). Sternanis hingegen ist ein immergrünes Magnoliengewächs aus den Tropen (Südchina, Hinterindien), ein mehrere Meter hoher Strauch oder Baum, dessen Samen die Chinesen schon vor 3500 Jahren als Gewürz verwendeten. Noch heute bereiten sie daraus einen Tee, nicht zuletzt aber ist Sternanis Bestandteil der in der chinesischen Küche allgegenwärtigen Soja-Sauce.
Die Sammelfrüchte des Baumes bestehen aus rosettenartig ausgebreiteten, sternförmig angeordneten Einzelfrüchten. Diese Form gab der Pflanze ihren deutschen Namen. Im 16. Jahrhundert wurden ihre aromatischen Samen erstmals nach Europa gebracht, im 18 Jahrhundert kamen sie hier in die Apotheken und "Spezerei"- Läden. Man stellte fest, dass sie sich ebenso gut für die Verwendung in der Heilkunde und in der Küche eignen wie der bekannte Anis, aber stärker, intensiver duften, wenngleich genauso süßlich. Im Weihnachtsgebäck, im Pudding, im Brot und in der Milchsuppe, aber auch im (Anisette-) Likör gibt es seither Sternanis ebenso wie "gewöhnlichen" Anis. Selbst die klassischen Liköre des mediterranen Raums kann man mit dem einen genauso gut (und nicht unterscheidbar) würzen wie mit dem anderen.
Kein Wunder also, dass die kleinen, schwarz glänzenden Samenkörnchen des tropischen Sternanis, die auch Mundwasser und Parfümhersteller zu schätzen wissen, bereits um die Jahrhundertwende tonnenweise in unser Lagerhäuser kamen. Wohlverpackt in mattenumhüllten Kisten aus Hongkong, Tonking oder Amman, bald aber auch von tropischen Inseln, wo der Sternanisbaum in großen Kulturen gepflanzt wurde. Gehandelt wird daneben der bestimmte Inhaltsstoff der Samen, das Sternanisöl. Es ist hellgelb oder fast farblos, erstarrt schon um Temperaturen unter 20 Grad Celsius und enthält bis zu 90 % Anethol. In der Pharmaindustrie ist es beliebt, um unangenehm schmeckende Arzneien besser einnehmbar zu machen.
Die dem echten Anis zugeschriebenen Heilwirkungen sind, da sie auf dem gleichen Wirkstoff (Anethol) beruhen, genauso dem Sternanis zueigen. Hustenbonbons etwa können ihren Anisgeschmack sowohl vom gewöhnlichen als auch vom Sternanis haben. Anethol hat hustenlindernde Wirkung, es zählt zu den "expecxtorantia", d.h., es wirkt schleimlösend. Auch als "carminativum", also Mittel gegen Blähungen, wird Anethol angewandt (z.B. in Form von Teemischungen aus Anis, Fenchel und Kümmel), und man schreibt ihm eine allgemein-stimulierende Wirkung zu. Manche mögen eine Prise Sternanis in schwarzem Tee. Sogar als besondere, ein wenig "nach Tropen" schmeckende Würze für heißen Grog wird Sternanis empfohlen. Wie lässt sich Sternanis /Anis geschmackskorrigierend verwenden? Etwa, um starken Salzgeschmack von z.B. bestimmten Heringszubereitungen zu dämpfen. Karottenmus, Gurken in süßsaurer Zubereitung gewinnen durch eine Prise Sternanis. Köche müssen beachten, dass das tropische Pedant wesentlich intensiver würzt als Anis. Es sollte also behutsam eingesetzt werden. Und weil der Wirkstoff ein flüchtiges Öl ist, empfiehlt es sich, die Körnchen erst kurz vor der Verwendung zu zerstoßen, sie also keinesfalls längere Zeit gemahlen als Pulver aufzubewahren.