Der Nelkenbaum ist ein 10 - 14 m hoher, schmaler, zylindrischer Baum aus der Familie der Myrtengewächse. Die immergrünen dunkelgrünen, elliptischen Blätter sind ca. 12 cm lang, die Blütenstände entwickeln sich an den Zweigspitzen. Als Gewürz werden die großen, unreifen Blütenknospen verwendet. Sobald sich die Blütenknospen hellrot verfärben, wird mit der Ernte begonnen. Die 1 - 1 ½ cm langen, vierkantigen Knospenstiele tragen am oberen Ende ein geschlossenes Blütenköpfchen. Während des Trocknungsprozesses färben sich die Nelken braun.
Herkunft:
Madagaskar, Molukken, Sansibar, Sri Lanka und von den Comoren.
Verwendung:
Verwendet wird die Gewürzknospe in erster Linie zur Aromatisierung von Lebkuchen, Getränken (Glühwein), Obstspeisen, und Eingemachten. Aber auch für Fleischspeisen wie Huhn, Wild, Schmorbraten, Ragouts und Zunge, wie bei bestimmten Wurstarten beweisen sich Nelken als pikante Zugabe. Man verwendet für gewöhnlich gemahlene Nelken. Ganze Nelke passen gut zu Rot - und Sauerkraut.
Außerdem werden sie in der Pharmazie verwendet.
Gesundheit:
Magenfreundlich, das Öl wird in der Zahnmedizin verwendet, es wirkt antiseptisch.
Geschichte:
Die kleinen braunen "Stiftchen" haben es in sich: In den antiken Kulturen waren sie Parfum, Schmuck, Totengabe und Medikament. Aber sie waren auch Zankapfel. Ja, Auslöser erbitterter Kriege und Verwüstungen in tropischen Breiten. Kostbar waren sie, mit Gold aufgewogen, geheime Konterbande mitunter, Opfergabe an heiligen Altären, Droge von höchster Wertschätzung und nicht zuletzt schlichtes Gewürz in Blutwürsten, braunen Kuchen und Apfelmus: Nelken! Und wer glaubt, sie hießen "Nelken", weil ihr Duft an den der gleichnamigen Gartenblume erinnert, der irrt. Schon im 13. Jahrhundert erwähnt Hildegard von Bingen Gewürznelken. Die Gartennelke aber kam erst im 16.Jahrhundert über Frankreich und Italien zu uns; und weil sie ähnlich duftete wie das kostbare Gewürz, erhielt sie den gleichen Namen.
Die Heimat des Gewürznelkenbaumes, um dessen Blütenknospen es geht, sind die Inseln der Molukkengruppe. Sie liegen im Bereich des heutigen Indonesien, halbwegs zwischen Celebes und Neuguinea. Nur in diesen recht eng begrenzten Gebiet wuchsen ursprünglich die verhältnismäßig niedrigen, immergrünen Bäume. dass sich Grabgaben und Halsketten aus Gewürznelken in Pharaonengräbern aus altägyptischer Zeit fanden, ist ein deutliches Zeichen der frühen Wertschätzung dieser duftenden Kleinigkeiten, vor allem aber ein Beweis für die Tüchtigkeit arabischer Händler. Die Blütenknospen von den Molukken wurden Handelsware, und bald zählten sie zu den kostbarsten Gütern des großen Umschlagplatzes Konstantinopel. Nun war der Weg nach Mitteleuropa offen, und nördlich der Alpen wurde es modern, Gewürznelken gegen allerlei Leiden und Schmerzen anzuwenden. Sie süßten auch den damals so beliebten "gewürzten", heiß getrunkenen Wein, dessen aromatische Spuren sich heute im Glühwein verlieren. Als die Europäer den Gewürzhandel in die Hände nahmen, wurden Nelken bald auch westlich von Neuguinea angepflanzt. Das ging freilich nicht so einfach und führte zu vielen höchst dramatischen und blutigen Verwicklungen.
Da die Welt aber nach immer mehr Gewürznelken verlangte, entstanden in jüngerer Zeit Kulturen des Tropenbaums auch auf Sansibar, Madagaskar und in Brasilien. Als feinste Sorten gelten jedoch immer noch die Nelken von den Molukken, vor allem von der Insel Amboina, doch stehen ihnen die etwas dunkleren Sansibar-Nelken qualitativ kaum nach. Der große Bedarf an dieser intensiv duftenden, würzigen Ware, die heute noch von Hand gepflückt wird, erklärt sich aus ihrer Verwertung in der Likör-, Geschmacksstoff-, Parfüm- und Getränkeindustrie sowie ihrer Bedeutung für die Herstellung pharmazeutischer Präparate. Verwertet wird stets das in den Blütenknospen reichlich (15-25 %) vorhandene ätherische Öl, dessen Hauptbestandteil Eugenol ist. Es wirkt schmerzstillend und antiseptisch, wird u.a... in der Zahnheilkunde und der Mikroskopiertechnik verwendet und spielt eine große Rolle bei der Gewinnung des künstlichen Vanillins.
Das eigenartige Aroma der Gewürznelke gibt vielen Speisen und Gerichten den charakteristischen Geruch und Geschmack. Das gilt für Lebkuchen, Spekulatius und anderes Gebäck ebenso wie für viele Saucen und Marinaden. Sie gehören in den Fischsud ebenso wie in Kompotte, Marmeladen und Fruchtsäfte, sie würzen Chutneys und Mixed Pickles, aber auch Liköre, Essig und Tabak. Der Rindfleischsuppe werden ein paar Nelken beigefügt, in ganze oder halbe Zwiebeln gesteckt, und Orangen, dicht mit Nelken besteckt, kochen kurz im Neujahrspunsch mit. Auch der berühmte gebackene Virginiaschinken wird dicht mit Nelken bestückt, ehe er mit süßherber Sauce in die Backröhre kommt. Der Verwendung der Gewürznelken sind keine Grenzen gesetzt. Jedoch: Was im Früchtebrot, in der Wildsauce, im Sauerkraut und im Rotkohl unentbehrlich ist, muss im Butterreis, im Rührei und in der Fleischsauce (Sugo) zu Spaghetti und Makkaroni nicht unbedingt geduldet werden. Auch im Hackbraten mögen die einen Nelkenaroma, und die anderen nicht.