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Liebstöckel



Verwendung:

Man verwendet die frischen und getrockneten Blätter, oder die bis zu 30 cm langen und 3 - 5 cm dicken rötlichgelben bis graubraunen runzeligen Wurzeln.

Die Blätter werden wegen ihres aromatischen, an Suppenwürze erinnernden Geschmacks und Geruchs zum Würzen von Suppen, Saucen, Eintöpfen, Ragouts, Salaten, Mayonnaisen und für Fleischgerichte verwendet.

Die Wurzeln wegen ihres Gehalts an Aroma- und Bitterstoffen in kleinen Mengen in der Essenz-, Spirituosen-, und Suppenindustrie und in der Pharmazie verwendet.

Gesundheit:

Gut gegen Magenbeschwerden, bei Halsschmerzen (Honigmilch durch einen Liebstöckelhalm trinken).

Die ätherischen Öle haben eine harntreibende Wirkung, daher gilt das Kraut im Volksglauben als Liebespflanze.

Liebstöckel ist ein mehrjähriges Doldenkraut.

Geschichte:

Es steckt viel Kraft, viel Natürlichkeit, viel Eigenwilligkeit in dieser Würzpflanze. Das sieht man ihr schon rein äußerlich an. Sie wuchert raumergreifend, und ihre vielästigen Blütendolden ragen an die zwei Meter hoch in den Himmel. Liebstöckel, ursprünglich am Mittelmeer zu Hause, ist so herzhaft und kraftvoll, dass ihm die Bezeichnung "Würze" in vollem Maße zukommt. Es erinnere "im Geschmack an Suppenwürze", meint gar ein Buch über Küchenkräuter. Der (oder das) Liebstöckel ist jedoch ein paar Jahrtausende älter als die bekanntverpönte dunkle Tinktur.

Zugegeben, man bescheinigt der Pflanze allerlei gesundheitsfördernde Wirkung, aber die Anregung der Liebeslust, die ihr im Mittelalter und in der Volksmedizin gern angedichtet wurde, erwies sich als Wunschtraum und Legende. Selbst der Name, so hübsch und altvertraut er auch klingt, ist lediglich eine Verballhornung des lateinischen Namens "ligusticum". Er weist darauf hin, dass die stattliche, hellgelb blühende Staude aus Ligurien, also von den Hängen der Seealpen, stammen könnte. Aus der Bezeichnung "ligusticum" wurde später "levisticum", und aus dem altdeutschen "lubistechal" wurde schließlich "Liebstöckel".

Aus Südeuropa kam das bald sehr beliebte Würzkraut in die Klostergärten nördlich der Alpen und von dort in die Küchengärten Europas. Seine Anspruchslosigkeit, seine Robustheit und seine Wuchsfreudigkeit trugen zur raschen Verbreitung bei, zumal sich Liebstöckel als außerordentlich vielseitig bei der Verwendung erwies. Eine Liebstöckelstaude wächst hoch und breit, schnell und üppig. Ihre Blätter bringen einen kräftigen, aromatischen Geschmack in viele Suppen, Saucen und Füllungen. Das Aroma bleibt auch bei längerem Kochen erhalten. Dies allein schon macht Liebstöckel zur typischen Würze für Suppen aller Art. Man sollte es sparsam verwenden, es genügen wenige Blättchen. Der charakteristische Geschmack kommt von einem ätherischen Öl und von verschiedenen anderen Inhaltsstoffen, die in der Wurzel besonders konzentriert sind. Diese, aber auch das getrocknete Kraut, werden von alters her in der Heilkunde verwendet, in verschiedenen magenfreundlichen und entwässernden Teemischungen.

Das "Badekräutl", wie Liebstöckel vielfach in der so genannten Volksmedizin genannt wird, hebt das Fleischaroma und tut nahezu allen Gemüsearten gut. Geradezu ideal ist es als Würze für salzfreie Kost, weil es das Fehlen des Salzes völlig verdeckt. Seine - bei maßvoller Anwendung - absolute Harmlosigkeit macht es so wertvoll für alle Diätformen. Roh soll es freilich nur sehr sparsam verwendet werden und ausschließlich als Zusatz zu anderen Gewürzkräutern. Nicht nur Fleisch - sei es in Suppen oder als Braten - würzen Köche gern und gut mit Liebstöckel, sondern beispielsweise auch vegetarische Gerichte wie Quarkspeisen, Käsefüllungen für Tortellini und Cannelloni, Kräuterbutter sowie Kräutersaucen, die zu Blumenkohl, Kohlrabi oder Zucchini passen. In all diesen Fällen ist Liebstöckel idealerweise Komponente eines Würzkräutergemisches, in das unbedingt Petersilie gehört, aber auch Basilikum, Kerbel und Estragon gut passen.

Was für Käse- und Quarkfüllungen gilt, trifft ebenso für vielerlei Fleischfüllungen und Farcen zu. Für die gefüllte Kalbsbrust etwa, aber auch für Fleischbrät in/zu Teigwaren und für Hackbraten, der eine kräftige, seine Eigenart betonende Würze ja geradezu benötigt. Selbst für Fischgerichte ist Liebstöckel geeignet. Filets von Süßwasserfischen schmecken zum Beispiel köstlich, wenn man Liebstöckel und andere grüne, frische Kräuter mit wenig Zwiebel und etwas Zitronensaft in Butter dünstet und über die ganz kurz gebratenen Filets gibt. Viel von der Natürlichkeit, von der ungebrochenen und nicht mühsam verfeinerten Kraft des Liebstöckels ist stets zu spüren. Auch dann, wenn er nichts weiter würzt als eine schlichte Eierspeise, ein ganz "gewöhnliches" Omelett.




Thema: Heilkräuter

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